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Neurologisches Zentrum Gossau
Dr. med. Andrea Tasalan
Herisauerstrasse 36
Postfach 725
9200 Gossau

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Fax: 071-385 97 08

Internet: www.nzg.ch
E-Mail: nzg(at)nzg.ch / nzg@hin.ch

EAN 7601000640529

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Elektroneuromyographie (ENMG)



Was ist eine Elektroneurographie (ENG)?
Die ENG ist eine Untersuchung der Nervenleitung an den peripheren Nerven. So lässt sich die Geschwindigkeit bestimmen, mit der ein Nerv elektrische Signale weiterleitet (Nervenleitgeschwindigkeit). Außerdem wird gemessen, wie gut eine elektrische Nervenreizung auf den zugehörigen Muskel übertragen wird (neuromuskuläre Überleitung) oder wie ausgeprägt die Gefühlsnerven leiten können.

Was ist eine Elektromyographie (EMG)?
Die EMG ist ein Untersuchungsverfahren, bei dem die elektrische Aktivität eines Muskels gemessen wird. Sie gibt Hinweise darauf, ob der Muskel selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel steuert, nicht ausreichend funktioniert. Daneben können von erfahrenen Untersuchern auch Aussagen über Art der Schädigung, Ausmass, Alter der Schädigung, Erholungstendenz und Erholungspotential gemacht werden.

Wie funktioniert die ENG?
Bei der motorischen Neurographie wird der zu untersuchende Nerv an mehreren Stellen in seinem Verlauf elektrisch gereizt. Gemessen wird die Zeit, die von der Nervenreizung bis zur Reaktion (Kontraktion) des dazugehörigen Muskels vergeht, wo Klebeelektroden plaziert werden. Diese Zeiten sind sehr kurz, nur wenige Tausendstel-Sekunden, und werden von einem Computer gemessen.

Aus den unterschiedlichen Leitungszeiten und dem Abstand der jeweiligen Reizungsorte (wird individuell mit einem Massband vermessen) wird die Geschwindigkeit der Nervenleitung (NLG) für jeden Patienten errechnet. Daneben kann auch die Stärke der gemessenen Reizantwort Informationen über die Menge an vorhandenen Nerven- und Muskelfasern ergeben.

Wie funktioniert die EMG?
Elektrische Signale der Muskelzellen werden mit Nadelelektroden, welche in den Muskel eingestochen werden, gemessen. Es handelt sich um kleine scharfe Stahlnadeln für den Einmalgebrauch. Der Einstich ist bei geübten Untersuchern meist wenig schmerzhaft, ein leicht unangenehmer Druck kann vorhanden sein. Das subjektive Schmerzempfinden ist jedoch erfahrungsgemäss sehr individuell und wird selbstverständlich berücksichtigt. Sollten an bestimmten Stellen doch deutlichere Schmerzen entstehen, so kann dies durch eine kleine Verschiebung der Nadelelektrode meist behoben werden. Falls nicht, erfolgt ein Einstich an anderer Stelle, oder die Untersuchung wird – auch aus Rücksicht gegenüber dem Patienten – beendet.

Das Aussehen und der das akustische Signal spontaner elektrischer Signale wird bei entspanntem Muskel erfasst (Spontanaktivität), daneben die Signale, die bei vorsichtiger Anspannung des Muskels während der Untersuchung entstehen. Einzelne Signale werden genauer hinsichtlich Ihrer Grösse, Dauer, Aussehen, Komplexität und Frequenz vom Untersucher beurteilt und/oder halbautomatisiert erfasst. Die Untersuchung eines Muskels dauert je nach Fragestellung zwischen 1 und 5 Minuten.

Wozu dient die Elektroneurographie (ENG)?

Mit Hilfe einer ENG können Ärzte die Art und Schwere verschiedener peripherer Nervenerkrankungen einordnen. Folgendes lässt sich unter anderem mit dieser Methode diagnostizieren:

  • Z.B. der Schweregrad einer Polyneuropathie; diese ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, die verschiedenste Ursachen (unter anderem Zuckerkrankheit, Niereninsuffizient, autoimmune (rheumatische) Entzündungen, chronischer übermässiger Alkoholüberkonsum, Medikamentennebenwirkung (v.a. Chemotherapie), angeborene Nervenerkrankungen) haben kann.
  • Schwere eines Nervenschadens, der durch Verletzung entstanden ist.
  • Erholungszeichen und/oder Hinweise auf das weitere Erholungspotential
  • Ausprägung von Einklemmungserscheinungen an Nerven im Bereich von Beinen und Armen, z.B. Karpaltunnelsyndrom (CTS) am Handgelenk.
  • Unterscheidung zwischen angeborenen Nervenerkrankungen oder Nervenerkrankungen in Folge anderer Krankheiten.


Wozu dient die Elektromyographie (EMG)?
Mit Hilfe einer EMG lassen sich die Art und Schwere verschiedener Muskel- und Nervenerkrankungen bestimmen. Vorausgehen sollte immer eine eingehende Befragung und neurologische Untersuchung, die eine Verdachtsdiagnose ermöglicht. Anschließend kann der Arzt zielgerichtet und problemorientiert bestimmte Muskeln untersuchen. Für die Patienten ist dies von Vorteil, da unnötige Untersuchungen „im Schrotschussverfahren“ vermieden werden, die Anzahl der zu untersuchenden Muskeln somit begrenzt wird ohne eine gleichzeitige Verringerung der Aussagekraft. Dadurch werden Unannehmlichkeiten für den Patienten minimiert und gleichzeitig Kosten gespart. Dies hängt auch von der Erfahrung des Untersuchers ab.

Ein entspannter Muskel zeigt normalerweise keine elektrische Aktivität. Schon bei einer leichten Kontraktion entstehen aber elektrische Signale, die bei stärkeren Muskelbewegungen weiter zunehmen. Bestimmte Erkrankungen der Muskeln, peripheren Nerven oder Nervenwurzeln an der Austrittsstelle aus der Wirbelsäule ergeben auffällige bzw. spezifische Muster in der elektrischen Aktivität des Muskels.

Folgende Fragen lassen sich mit einer EMG beantworten:

  • Handelt es sich bei einer Muskelschwäche um eine Erkrankung des Muskels oder zuständigen Nervs?
  • Bei einer Muskellähmung, die infolge einer Verletzung oder Entzündung des versorgenden Nervs entsteht, gibt das EMG einen Hinweis auf die Erholungschancen (Prognose). Wichtig ist es, ob noch eine Restaktivität des Muskels nachweisbar ist oder ob es Anzeichen dafür gibt, dass sich der Nerv durch Regeneration von Nervenfasern (sog. Reinnervation) erholt.
  • Man untersucht genau, welche Muskeln von einer Nervenschädigung betroffen sind und kann damit den Ort der Nervenschädigung möglichst genau eingrenzen. Das erlaubt, die entsprechende Körperregion allenfalls gezielt bildlich darzustellen, beispielsweise durch eine Kernspintomographie.


Was ist im Vorfeld der ENG zu beachten?
Es sollte eine eingehende neurologische Untersuchung vorausgehen, um mit der geringsten Anzahl an Messungen ein Maximum an Informationen zu erhalten. Denn die elektrische Reizung der Nerven kann je nach persönlicher Konstitution für den Patienten mehr oder weniger unangenehm sein. Gelegentlich muss die Untersuchungsstrategie während der Untersuchung angepasst und ergänzt werden.

Was ist im Vorfeld einer EMG zu beachten?
Bei Patienten, die Blutverdünner (blutgerinnungshemmende Arzneimittel) einnehmen oder unter einer Gerinnungsstörung leiden, besteht trotz verbreiteter gegenläufiger Meinung keine absolute Kontraindikation gegen eine EMG-Untersuchung. Die Einnahme von Aspirin stellt kein wesentliches Problem dar (etwas erhöhte Neigung zu kleinen Blutergüssen in der Haut oder Muskel). Bei einer stärkeren Blutverdünnung (z.B. mit Marcoumar) ist dies von der Stärke der Verdünnung abhängig. In dem Fall sollen nur Muskeln untersucht werden, die bei einer Blutung mit einem Druckverband behandelt werden können. Aus den bisher in der Literatur verfügbaren Daten ergeben sich keine Hinweise auf ein wesentlich erhöhtes Risiko bei Patienten mit Blutverdünnern.

Obwohl in unserem Labor ausschliesslich Wegwerfnadeln benutzt werden, muss der Arzt über mögliche infektiöse Erkrankungen des Patienten informiert sein, die über Blutkontakt übertragen werden (z.B. Hepatitis B-, C- oder HIV-Infektion). Dieses dient in erster Linie dem Schutz des Untersuchers, da dieser auch bei maximaler Vorsicht stets der Gefahr einer Nadelstichverletzung durch eine gebrauchte Nadel ausgesetzt ist.

Wie wird die ENG durchgeführt?
Der Nerv wird an mindestens zwei Stellen im Verlauf elektrisch gereizt. Bei Nerven, welche die Handmuskeln versorgen, sind solche Stellen beispielsweise am Oberarm, in der Ellenbeuge oder am Handgelenk zu finden. Die Oberflächen-Elektroden zur Registrierung der Muskelkontraktion werden in diesem Fall an den Fingermuskeln angebracht. Bei der Stimulation verspürt der Patient ein elektrisierendes Gefühl.

Vor allem zwei Untersuchungsergebnisse sind wichtig:

  • Erkrankungen der Markscheiden, welche die Nerven umhüllen, führen zu einer Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit.
  • Bei Erkrankungen, die das Innere der Nerven betreffen, kann die Nervenleitgeschwindigkeit normal sein, die Höhe der elektrischen Nervenantwort (Amplitude des Nervenpotentials) ist jedoch geringer.
  • Auch aus der Stärke der Muskelkontraktion lassen sich Rückschlüsse auf mögliche Nervenschäden ziehen.




Wie wird die EMG durchgeführt?
Der Patient liegt so entspannt wie möglich auf einer Untersuchungsliege. Bei einer Nadel-EMG desinfiziert der Arzt die Hautstelle und sticht eine dünne Nadel-Elektrode direkt in den Muskel. Anschliessend beobachtet der Arzt, ob im entspannten Muskel elektrische Aktivität vorhanden ist. Danach spannt der Patient gemäss Aufforderung den Muskel zunächst leicht und ggfs. etwas stärker an. Der Computer zeichnet dabei alle elektrischen Aktivitäten des Muskels auf.

Mögliche Komplikationen von ENG und EMG
Die elektrischen Impulse bei der Elektro-Neurographie empfinden die Patienten gerade am Anfang häufig als ungewohnt und leicht unangenehm, aber im Allgemeinen als sehr gut erträglich. Sie ähneln den Impulsen, die bei der therapeutischen elektrischen Reizung (TENS) verwendet werden oder auch bei den elektrischen Bauchmuskeltrainern. Ernste Komplikationen sind nicht bekannt. Das Nadel-EMG kann je nach Stelle, persönlicher Schmerzschwelle und Geschick des Untersuchers mehr oder weniger druckartige Schmerzen verursachen. Die meisten Patienten empfinden den Einstichschmerz der sehr dünnen und scharfen Nadel jedoch als tolerabel. In sehr seltenen Fällen kann es zu Blutergüssen im Bereich der Einstichstelle kommen (Aspirin), daneben kann der Patient die untersuchte Stelle noch ein bis zwei Tage spüren, ähnlich wie bei einem „blauen Fleck“. Bakterielle Infektionen durch die Nadeleinstiche sind extrem seltene Raritäten.